Sagen Sie doch mal, was Sie wollen ...
Artikel vom: 20.06.2006
von Elke Nürnberger, nürnberger & partner
Warum stimmen wir oft einer Entscheidung zu, obwohl wir eigentlich ganz anderer Meinung sind? Wir sagen "Ja", meinen "Nein" und fühlen uns hinterher unwohl. Tritt dieses Verhalten häufig auf, kann es sogar krank machen. Wer nicht klar seine Meinung artikuliert, zieht oft den Kürzeren. Was Sie tun können, um Ihre Meinung deutlich zu vertreten, lesen Sie hier.Beate H. kommt aus einer Besprechung. Stundenlang wurde diskutiert, wie die Arbeitsgebiete nach der Umstrukturierung am besten aufgeteilt werden. Letztlich wurde ein einstimmiger Beschluss verabschiedet. Beate H. kommt sich dennoch vor, als wäre sie über "den Tisch gezogen" worden. Sie hat das Gefühl, jeder hat das bekommen was er wollte, nur sie nicht. Für sie werden die Veränderungen nun am deutlichsten spürbar sein. Vor allem wird sie Aufgaben durch Neue ersetzen müssen, die sie immer sehr gerne gemacht hat. Dafür bekommt sie nun Tätigkeiten übertragen, die keiner übernehmen wollte. Sie auch nicht. Aber an ihr sind sie hängen geblieben.
Kollege M. hat gleich von vornherein genau gesagt, was er übernehmen will. Einige andere Kollegen ebenfalls. Als die unliebsamen Aufgaben verteilt wurden, kam von einigen ein klares "Nein". Frau H. hat mit der Bemerkung "Einer muss es ja machen ..." genickt. Sie hat zugestimmt, obwohl sie lieber abgelehnt hätte. Woran liegt das?
Meist liegt der Grund in uns selbst, weswegen wir nicht auf dem, was wir wirklich wollen, beharren. Wenn wir mit unserer Meinung hinter dem Berg halten, haben wir oft sogar erklärbare Gründe dafür. Häufige Motive, die uns daran hindern, klar unsere Meinung zu vertreten, sind z.B.:
- Verlust der Harmonie
"Wenn ich Nein sage, dann werde ich nicht mehr gemocht."
"Ich möchte, dass mich die anderen sympathisch finden."
- Schuld
Wenn ich ablehne, bin ich schuld daran, dass nichts vorwärts geht."
Wenn ich Nein sage, bin ich schuld an einer schlechten zwischenmenschlichen Beziehung."
- Selbstbild
"Durch Ablehnung einer Sache, wirke ich egoistisch oder arrogant."
"Wenn ich nicht mitmache, werde ich von anderen ausgeschlossen und zum Außenseiter."
- Angst
"Der andere reagiert aggressiv auf meine Ablehnung."
"Ich kann mich sowieso nicht wehren und entgehe durch Zustimmung negativen Auswirkungen."
- Lob und Anerkennung
"Mir wurde versichert, dass es kein anderer so gut oder schnell kann wie ich."
"Wenn ich es nicht mache, dann wird es nicht so professionell gemacht."
Nun halten Sie sich bitte die Konsequenzen vor Augen, die das stete Unterdrücken Ihrer Meinung mit sich bringen kann, z.B.:
- Sie fühlen sich schlecht
- Sie werden benachteiligt
- Ihr Selbstbild sinkt, weil Sie sich selbst als "schwach" erleben
- Sie tendieren vermehrt zu Stress / Burnout
- Sie können dadurch körperlichen Schaden erleiden
- Ihre Lebensqualität kann enorm darunter leiden
- etc.
Doch wie entkommen wir nun am besten dieser Falle? - Der erste Schritt ist: Sie merken sich den folgenden Satz:
Die Lösung beginnt in meinem Kopf!
So, wie Sie denken, so werden Sie handeln. So, wie Ihr Innerer Dialog abläuft, so werden Sie mit anderen kommunizieren. Nehmen Sie die Motive genau unter die Lupe, die Sie "Ja" statt "Nein" sagen lassen, obwohl Sie etwas nicht gut finden. Was sind die Motive, die Ihre Meinung als "nicht so wichtig" erscheinen lassen?
Haben Sie Ihre persönlichen (hemmenden) Motive erst bewusst enttarnt, dann wissen Sie auch schon, wo Sie die Lösung finden können.
Hinterfragen Sie Ihre Glaubenssätze dann ganz genau, in Bezug auf Ihre klare Meinungsäußerung:
Verlust der Harmonie
"Woher weiß ich so genau, dass andere mich nicht mehr mögen, wenn ich meine Meinung vertrete?"
"Ist es möglich, dass auch "Andersdenken" sympathisch sein kann?"
Schuld
"Trage ich allein die Verantwortung für das Gelingen einer Sache?"
"Kann eine gute zwischenmenschliche Beziehung nur davon abhängen, dass ich mich anpasse?"
Selbstbild
"Wer genau wird glauben, ich wirke egoistisch oder arrogant?"
"Woher nehme ich die Gewissheit, dass ich zum Außenseiter gemacht werde?"
Angst
"Weiß ich sicher, dass mein Gesprächspartner aggressiv wird?"
"Wie sehen die (angenommenen) negativen Auswirkungen für mich genau aus?"
Lob und Anerkennung
"Haben nicht auch andere Mütter schlaue Söhne und Töchter?"
"Wer konkret kann eine Tätigkeit an meiner Stelle übernehmen?"
Verändern Sie Ihren "Inneren Dialog":
- Meine Meinung ist wichtig – genauso wichtig wie andere Meinungen.
- Ich will meine Meinung offen und klar sagen.
- Ich darf anderer Ansicht sein.
- Wenn ich "Ja" meine, dann sage ich es.
- Kann ich nicht "Ja" sagen, dann meine ich automatisch "Nein".
- Wenn ich "Nein" meine, sage ich "Nein".
- Ich habe das Recht, es mir gut gehen zu lassen.
Üben Sie häufig
Freie und klare Meinungsäußerung ist eine Fähigkeit, die Sie schrittweise erlernen oder ausbauen sollten. Überfordern Sie sich nicht. Beginnen Sie mit einfachen Übungen. Das kann selbst beim Bäcker sein, wenn Sie an der Reihe wären, ein anderer Kunde jedoch zu erst bedient wird: "Meiner Meinung nach bin ich jetzt dran ... Danke schön." Hierbei kann Ihnen nichts passieren. Wichtig ist, dass Sie viele Gelegenheiten nutzen, zu üben.
Sie werden merken, welchen Unterschied es macht, danach mit erhobenem Kopf aus dem Laden zu gehen. Mit dem Gefühl, für Ihr Recht eingestanden zu sein, Ihre Meinung geäußert zu haben und sie problemlos durchgesetzt zu haben. Probieren Sie es aus! Sie können nur gewinnen ...
Hinweise zur Autorin
Elke
Nürnberger, Geschäftsführerin von nürnberger & partner, ist
Wirtschaftsmediatorin, Coach, Kommunikationsberaterin und Fachautorin.
Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt
vom 20.06.2006, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten
(Rechts-) Stand entsprechen.
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