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In kritischen Situationen mehr Souveränität - Die fünf Grundsäulen der Schlagfertigkeit

Artikel vom: 30.05.2002

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von Stéphane Etrillard, Managementtrainer und Businesscoach *


Etlichen Führungskräften fehlen zur rechten Zeit die rechten Worte. Doch Schlagfertigkeit lässt sich trainieren - in Kommunikationsseminaren ebenso wie im täglichen Umgang mit Mitarbeitern, Vorgesetzten und Kollegen. Allerdings bringt es wenig, sich im Schnellverfahren nur einige Patentrezepte anzueignen.

Beim Trainieren eines wortgewandten, sicheren Auftritts geht es auch nicht um Techniken, wie man andere Menschen "mund-tot macht", "niederbügelt", oder "an die Wand drückt". Zumindest sollte es das nicht, auch wenn sich etliche Menschen genau das erwarten.

Von der einfachen Kommunikation zur charismatischen Persönlichkeit

Worauf es dagegen wirklich ankommt, ist, in kritischen Situationen mehr Souveränität auszustrahlen. Denn der Grund für mangelnde Schlagfertigkeit liegt oft darin, dass sich Menschen in unangenehmen oder ungewohnten Situationen unsicher fühlen. Und wer unsicher ist, findet keine überzeu-genden Worte. Greifen verunsicherte Menschen in ihrer Hilflosigkeit auf angelesene Floskeln und Phrasen zurück, so nimmt der Gesprächspartner sie ihnen nicht ab. Denn ein verlegener Mensch kann Schlagfertiges nicht schlagfertig rüberbringen, Ausstrahlung und Worte klaffen auseinander. Der Projektleiter kann inhaltlich noch so gut kontern, mit rotem Kopf und nervöser Stimme macht er sich lächerlich.

Souveränität ist auch deswegen das Fundament einer gelungenen Kommunikation, weil souveräne Menschen seltener angegriffen werden. Sobald sie auftreten, ändert sich etwas im Raum. Sie flößen anderen nicht nur Respekt ein, sondern haben auch ihre Überzeugungs- und Wirkungsmittel im Griff. Das heißt: Ihre Sicherheit und Gelassenheit befähigt sie, Kommunikations-Werkzeuge so einzusetzen, dass sie damit niemandem weh tun, kein Porzellan zerschlagen und kein sinnloses verbales Kräftemessen starten. Bevor sich jemand also mit rhetorischen und dialektischen Techniken und Kniffen auseinandersetzt, sollte er an sich selbst und an seiner Wirkung arbeiten, und das braucht Zeit. Fünf Faktoren sind es, die im Gespräch zu mehr Souveränität verhelfen.

Die fünf Säulen des Schlagfertig-keits-Tempels

Säule 1: Positive Einstellung

Viele Menschen sind nicht schlagfertig, weil sie glauben, nicht schlagfertig zu sein. Diese negative Einstellung zu sich selbst prägt auch das kommunikative Verhalten zu ihrem Umfeld. Ab dem Moment, wo sie anfangen, ihre Einstellung zu ändern, stellen sie fest, dass sie durchaus die Möglichkeit haben, schlagfertig auf Äußerungen ihrer Mitmenschen zu reagieren. Sie nehmen eine negative Erwartungshaltung ein und wundern sich, dass ihre Gesprächspartner aggressiv sind. In eine sichere Position kommt man durch das positive Denken. Ein altes Gesetz gilt nämlich auch für die Schlagfertigkeit: Die eigene Einstellung ist ausschlaggebend für das Verhalten der anderen. Wenn jemand eine natürliche positive Ausstrahlung hat, wird er viel weniger mit Angriffen konfrontiert.

Ein optimistischer Mensch gewinnt andere Menschen für sich; mit einem Strahlemann legt sich keiner an. Zur heiteren Ausstrahlung gehört es z.B., Negatives positiv zu formulieren: Eine positiv eingestellte Führungskraft, die während der Woche unterwegs ist und nur am Freitag Zeit hat, wird dem Mitarbeiter sagen: "Ich bin am Freitag den ganzen Tag für Sie da, wir können alle offenen Fragen in Ruhe besprechen." Insgesamt sind positive Menschen in ihrem Kommunikationsverhalten kreativer und entwickeln sprachlich originellere Formulierungen als Miesepeter. Wie Kurt Tepperwein, der bekannte Mental- und Intuitionstrainer sagt: "Lächeln ist die eleganteste Art, dem Gegner die Zähne zu zeigen."

Lächel-Training ist das Sprungbrett zur Schlagfertigkeit. Viele Menschen lernen erst eine positive Geisteshaltung einzunehmen, indem sie das gewinnende Lächeln üben und entdecken, dass sich dadurch neue ungeahnte Potentiale erschließen. Im Schlagfertigkeitstraining lernen sie wieder lächeln, um sich auf den späteren Erfolg zu freuen.


Säule 2: Blickkontakt

Wer keinen Blickkontakt hält, hat nicht die geringste Chance, Sicherheit auszustrahlen. Wer seinen Gesprächspartner dagegen anschaut, signalisiert, dass er ihn "im Griff" hat. Der Blick unterstreicht die Botschaft ("Was ich Ihnen mitteile, ist sehr wichtig") und verstärkt die physische Präsenz des Sprechers. Beim Zuhören vermitteln weit geöffnete Augen das Gefühl: "Ich habe Interesse an Ihnen und Ihren Ausführungen".
Wichtig ist auch, den Blick nach oben zu richten, denn das signalisiert eine optimistische Grundeinstellung. Wer andere freundlich, aber bestimmt anschaut, vermittelt den Eindruck eines Menschen, der weiß, was er will. Blickkontakt ist eines der einfachsten Mittel und doch einer der meistverkannten Trümpfe in der Gesprächsführung. Es ist wohl ein trauriges Zeichen unserer Zeit, dass viele Menschen es verlernt haben, sich in die Augen zu schauen.


Säule 3: Stimmpräsenz

Ich habe in den letzten Jahren viele schlagfertige Menschen kennen gelernt, deren Stimmlage so unterschiedlich war. Eine leise Stimme ist entgegen vielen landläufigen Ratschlägen kein Hindernis für die Schlagfertigkeit. Wichtig ist die Präsenz, die Sie in einem Raum ausstrahlen. Ihre Gesprächspartner sollen Ihre Aura spüren, sobald sie den Raum betreten haben und etwas sagen. Wichtig ist das Tempo, in dem Sie etwas sagen und die Stimmlage. In manchen Rhetorikseminaren wird den Teilnehmern das Brüllen beigebracht.

Viele Top-Redner und schlagfertige Menschen sind im besten Sinne des Wortes "Meister der leisen Töne". Fangen Sie zu Übungszwecken an, langsam zu reden und Sie stellen fest, dass sich plötzlich Ihre Stimmlage verändert. Ausdruck verleiht man sich und seiner Stimme durch das Sprechtempo und die Stimmlage. Wirkungsvoll ist es, langsam zu sprechen und am Ende eines Satzes mit der Stimme nach unten zu gehen. Beides lässt sich trainieren, indem man sich bekannte, dann unbekannte Texte vorspricht. Hilfreich ist, im Hintergrund Entspannungsmelodien laufen zu lassen und die eigenen Sprechversuche auf Band aufzunehmen. Nach den Trockenübungen sollte man am Ausdruck seiner Stimme in so vielen Gesprächen wie möglich feilen. Dann merkt man allmählich, wie es einem gelingt, Menschen allein durch die Stimme in Bann zu ziehen.

Es ist ein uraltes Phänomen: beherrschen Sie Ihre Stimme, um durch die Kraft ihrer Wirkung die Gesprächssituation zu beherrschen. Langsam werden Sie bestimmte hypnotische Sprachmuster beherrschen, die Sie automatisch ins Gespräch mit einfließen lassen werden. Sie werden merken, dass Ihre Gesprächspartner Ihnen eine erhöhte Aufmerksamkeit schenken.


Säule 4: Charisma

Haben Sie sich auch schon mal die Frage gestellt, warum bestimmte Menschen erfolgreicher sind als andere? Es liegt an ihrer Ausstrahlung, ihrem Charisma. Charisma ist die Fähigkeit eines Menschen, andere Menschen für sich, seine Ziele und Interessen zu begeistern, ja sogar einzunehmen. Charisma ist dieses undefinierbare Etwas, das den Worten einer Person mehr Gewicht verleiht. Es ist auch eine physische Wärme, die jemand ausstrahlt und auf andere überträgt. Viele talentierte Kommunikatoren besitzen dieses gewisse Etwas. Sie haben bereits durch ihr bloßes Dasein und durch ihre Stimmpräsenz so viel ausgedrückt, dass die verbalen Inhalte nur noch ein Bruchteil sind, sozusagen eine Draufgabe.

Charisma muss Ihnen nicht in die Wiege gelegt worden sein. Wenn Sie konsequent üben, wird Ihr Umfeld Sie anders wahrnehmen und diese Aura, die Sie jetzt ausstrahlen, spüren. Durch gezieltes Training, können Se lernen, charismatisch zu wirken. Entwickeln Sie Ihren eigenen, selbstbewussten Stil. Stehen Sie zu sich selbst und Ihren Zielen. Seien Sie souverän, wenn es um die Fehler anderer oder Ihre eigenen geht. Denn nichts wirkt charismatischer als ein Mensch, der einfach über den Dingen steht, die nicht wichtig genug sind, dass sie ihn aus der Bahn werfen könnten.


Säule 5: Emotionale Dickhäutigkeit

Emotionen können nicht weggeredet werden: Sie sind da. Doch man kann lernen, seine Gefühle zu beherrschen. Die meisten schlagfertigen Menschen haben sich einen Panzer zugelegt, der ihnen hilft, in Angriffssituationen nicht die Kontrolle über sich zu verlieren und auszurasten. Wer auf der Autobahn merkt, dass er auf die Leitplanke zusteuert, muss seinen Fokus ändern und wieder nach vorne auf die Fahrbahn schauen. In der Kommunikation ist es ähnlich. Trainieren Sie sich eine emotionale Dickhäutigkeit an. Das ist durchaus erlernbar. Lernen Sie, über einen verbalen Angriff hinwegzukommen. Eine der einfachsten Methoden ist die Änderung des mentalen Fokus: ich konzentriere mich auf die Frage, die ich dem Angreifer stelle und nicht auf das, was er eben gesagt hat.

Erst wenn diese fünf Grundpfeiler des Schlagfertigkeitstempels gebaut worden sind, macht eine Weiterentwicklung der dialektischen Spitzfindigkeiten Sinn. Sonst bleibt der Tempel ohne Fundament. Erst wenn jemand Souveränität ausstrahlt, macht es Sinn, sich mit dem Erlernen der Techniken auseinander zusetzen. Manchmal sind es nicht mal Techniken, sondern es reicht eine erhöhte Aufmerksamkeit bezogen auf das eigene Kommunikationsverhalten.

Gerne zitiere ich in diesem Zusammenhang Moshé Feldenkrais: "Erst wenn ich weiß, was ich mache, kann ich tun, was ich will."


* Stéphane Etrillard ist Managementtrainer, Businesscoach, Fachautor und Spezialist für Verkaufsrhetorik. Er ist spezialisiert auf die Aus- und Weiterbildung von Beratern, Führungskräften und Verkäufern. Ausführliche Informationen über seine Seminare und Trainings finden Sie auf seiner eigenen Website unter http://www.etrillard.com Oder schreiben Sie direkt an Stéphane Etrillard postmaster@etrillard.com

Hinweis: Beachten Sie bitte das Datum dieses Artikels. Er stammt vom 30.05.2002, sodass die Inhalte ggf. nicht mehr dem aktuellsten (Rechts-) Stand entsprechen.

 

17.05.2012

 
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